Was ich noch sagen wollte…

Also, jetzt komme ich endlich mal dazu hier auch was hinzumachen. Das hatte ich eigentlich schon länger geplant, aber ihr wißt ja sicher wie das ist wenn man sich Sachen vornimmt, die eigentlich auch wieder nicht so wichtig sind.

Wie ihr sicher erkennen könnt ist das hier eine Extra Seite. Und auf dieser Seite will ich nun ab und zu mal etwas, naja ich nenn es mal „Fiktives“ zu Eurer Unterhaltung oder wozu auch immer, veröffentlichen. Ich hoffe Ihr könnt damit was anfangen…

Treiben

„Es bleibt noch genug Zeit“ sagte der junge Mann, der alleine an einem der Tische saß. Dann schloss er die Augen. Er musste schlucken und versuchte den etwas bitteren Geschmack in seinem Hals gleich mit hinunter zu würgen. Es half nicht.
Dann war er mit sich allein. Seine geschlossenen Augen waren der Vorhang zu einer Welt, den er zuzog um eben diese Welt nicht mehr sehen zu müssen. Bitterkeit stieg in ihm hoch, er spürte sie durch seinen Körper schleichen, immer auf der Suche nach dem letzten bisschen seines Ichs das sie in Besitz nehmen konnte.
„Was soll ich tun?“ sagte seine Stimme halblaut zu sich selbst. Er horchte. Stille, aber keine Antwort. Nirgends in ihm drin.
„Was soll ich tun?“ wieder nichts.
„So ist es oft. So ist es immer in letzter Zeit.“ sagte etwas aus ihm heraus zu ihm.
Eine Antwort auf seine Frage hatte er schon lange nicht bekommen. Diese aber gab ihm zu denken.
„Was meinst du damit?“ fragte er unsicher in sich hinein. Darauf nur Stille. Eine Stille die so stark war, dass er sie nicht ertragen konnte. Er versuchte es. Er versuchte es immer, doch die Stille in ihm war zu stark und zu erbarmungslos. Sie fraß sich noch stärker als die Bitterkeit durch seinen Körper und seine Gedanken. Es war als wenn die Stille in ihm schrie und plötzlich war es laut. Er öffnete schnell die Augen.

Sein Blick fiel auf das Glas das vor ihm auf dem Tisch stand. Es war leer. Bis auf eine kleine Pfütze von abgestandenem Bier, das sich in der Senke des Glases angesammelt hatte, dort wo die Verbindung zum Sockel des Glases war. Er nahm das Glas, schwenkte es und schaute müde der Pfütze beim schwappen zu. Dies tat er eine lange Zeit und zwar so als wäre dies das intensivste Erlebnis in seinem bisherigen Leben. So war er immer nachdem sich zuerst dies Bitterkeit und danach die Stille in ihm ausgebreitet hatte. Seine Kopf dröhnte immer noch vom Schrei der Stille.
Plötzlich lehnte er sich zurück, stieß das Glas auf der Tischplatte in Richtung Tischmitte und stand auf. Er wandte sich vom Tisch ab und ging direkt auf die Bar zu. Dort wühlte er in seiner Hosentasche, zog einen zerknitterten Schein hinaus. Den gab er der Studentin hinter dem Tresen mit den Worten: „Das stimmt so.“
Dann stand er noch eine Weile wie eingefroren da und schaute sich selbst zu, wie er ihr beim Lächeln zu schaute. Als sie sich dann umdrehte und hinab bückte, um etwas aus einem Karton der auf dem Boden stand zu nehmen, bemerkte er erst wie sehr er sie anstarte. Er erschrak, senkte den Blick zu Boden und ging.

Draußen auf der Straße wart es laut.
Was war der Sinn hinter alldem was er da sah? Hinter den vielen Leuten die nun laut durch die Straßen zogen, lärmten, sich durcheinander mischten, aneinander vorbei schoben und wo das nicht klappte etwas rüde den jeweilig angerempelten in die Schranken wiesen.
Was war der Sinn in all den jungen Leuten die sich auf die neuesten Designerschuhe Hemden, Hosen, Röcke, Handtaschen stürzten? Warum gaben sie sich allem so hin ohne zu fragen und ohne darauf zu achten ob es sie wirklich toller aussehen lässt? Wer dachte sich all das aus?
„Keine Frage, alle Welt läuft schnell und man selbst gerät zu schnell außer Atem“, dachte er, „versucht man Schritt zu halten verliert man nur noch mehr den Boden unter den Füßen. Man kann sie nicht einholen. Nur in Sichtweite hinterherhinken. Hier ist nicht die Stille zu Hause. Hier regieren die Gesprächsfetzen die zerhackt ins Ohr prallen.“

Wo sollte er jetzt hin? Nirgendwo schien er wirklich hinzuwollen. Das war ein Problem. Also ging er direkt nach Hause. Vorbei an den amüsierwütigen, dieser Masse aus jolenden, pöbelnden Menschen, die halb angetrunken, halb nüchtern durch die Straßen strömten.
Drei Straßenecken weiter blieb er stehen und drehte sich um. Allerdings nicht vollständig, sondern nur halbherzig, als würde es sich nicht wirklich lohnen. Er blickte zurück über seine rechte Schulter. Hinter seinem Rücken auf dem Bürgersteig sah er einen Strom Menschen der sich wie ein Fluss in einem tiefen Tal träge durch die Landschaft schlängelt. Er blickte müde und mit glasigen Augen auf alles was sich dort abspielte. Es berührte ihn nicht. Dann drehte er sich um und ging weiter. Er ging durch die Menschen. Dabei blickte er nicht zu Boden wie man es vielleicht vermuten könnte, nein er blickte in die Richtung in die er ging, in die Gesichter der Menschen die ihm entgegen kamen. Er sah wie sie redeten, manche zu zweit manche waren allein. Einer trug eine Flasche. Der nächste riss einen Witz, zwei Mädchen lachten grell. Breitschultrige Typen kamen ihm entgegen, der linke rempelte ihn hart an der Schulter an, fluchte, ging aber weiter. Es machte ihm nichts aus. Innerlich war er müde. In seinem Gesicht würde man etwas davon erkennen wenn man sich die Mühe machen würde ihn genau anzusehen.
Eine Frau die ihm alleine entgegenkam schaute in sein Gesicht und lächelte. Er las in ihrem Blick, schaute in sie hinein, fand sie hübsch und ihr Lächeln sehr sympathisch. Er freute sich über ihre ehrliche Geste. Schließlich, als sie fast auf seiner Höhe war, lächelte er zurück, ging dabei aber weiter.
Eine Straßenkreuzung weiter kaufte er sich ein Bier. Dann ging er das nahe Flussufer entlang und setzte sich auf eine Bank. Sein Atem war in dem leichten Schein der Laterne die etwas entfernt von seiner Bank stand zu sehen. Es war kalt an diesem Abend aber er merkte es nicht wirklich. Es machte ihm nichts aus, denn er hatte sich an das Wetter gewöhnt. Nachdem er eine Weile auf den im dunkeln liegenden Fluss gestarrt hatte, knöpfte er seine Jacke auf, holte ein Feuerzeug heraus knöpfte sie wieder zu und öffnete dann mit einem Zischen die Flasche. Kurz betrachtete er sie. Dann setzte er sie an die Lippen und nahm einen Schluck. Als er sie abgesetzt hatte spürte er wie das kalte Bier in seinem Magen angelangte. Er ließ sich Zeit. Als er schließlich ausgetrunken hatte stellte er die leere Flasche auf den Boden vor die Bank und ging.

Auf dem Weg war er allein. Die Herbstsonne stand tief und die Bäume links und rechts des Weges trugen ihre schönsten Farben. Nicht mehr lange und sie würden kahl und trostlos in der Kälte des Winters stehen. Ziellos streifte er umher, doch seine Schritte wirkten dabei nie unentschlossen. Die Stadt und ihre Manschen hatte er vergessen, sie berührten ihn nicht. Er wusste nicht woran es lag, aber so war es eben. Was ihn berührte, hatte er für sich, nur für sich, denn er konnte es nicht mit jemand anderes teilen. Er spürte die Schönheit all der Dinge die ihn umgaben. Das Licht, die Farbe der Blätter, die Stille die ihn umgab. Jedes noch so kleine Detail auf das er seinen Blick richtete, berührte ihn.

2 Antworten zu „Was ich noch sagen wollte…“

  1. Jerome sagt:

    Sehr dichte Beschreibung, was mir für Kurzgeschichten gut gefällt – über die ein oder andere Formulierung ließe sich sicherlich streiten, aber das ist auch immer Geschmackssache. Also dicker Daumen nach oben und noch eine Sache zum drüber nachdenken: Wen einen etwas wirklich nicht berührt, verbringt man dann wirklich soviel Zeit damit darüber nachzudenken? Kann sein, muss aber nicht;-)
    So, das war jetzt aber das letzte mal, dass ich heute auf deiner Seite vorbeigeschaut habe…

  2. vedaparta sagt:

    Ich habe drüber nachgedacht, bin aber nicht wirklich weitergekommen. Vielleicht meinte ich eher etwas „betrachten ohne dass es einen berührt“, aber das ist Auslegungssache, denke ich…
    Aber danke für Deine Meinung! Ich werde mich bemühen die Seiten hier noch ordentlich zu füllen, damit Du auch immer was neues findest, wenn Du hier schon mehrmals täglich reinschaust!

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